Klischees über ältere, alleinstehende Frauen sind weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Doch wie sieht die Lebensrealität von Frauen ohne Partner in Österreich tatsächlich aus?
Von: Daniela Schopper
„Pass auf, sonst endest du noch einsam und mit 10 Katzen!“ Das hört man als Frau öfter mal, meist mit spöttisch-drohendem Unterton. Nach dem Motto, ja nicht zu wählerisch bei der Partnersuche sein, bloß nicht zu anspruchsvoll. Die Vorstellung, als Frau partnerlos alt zu werden, wird medial und gesellschaftlich als Tragödie dargestellt. Denn was gibt es Schlimmeres für eine Frau, als keinen Mann an ihrer Seite zu haben?
Das „Anderssein“
„Alter ist kein negativer Begriff, aber alt zu sein hat über Zeit eine negative Bedeutung angenommen“
– Soziologin Valeria Bordone
Die Entstehung von Stereotypen dauert lange, erklärt Soziologin Valeria Bordone. Und lange dauert es auch, bis sie wieder verschwinden. Oft gehe es dabei um Untergruppen der Bevölkerung, die vom Durchschnitt abweichen. Menschen, die „anders sind“ sozusagen. Zum Beispiel eben Frauen, deren Leben von traditionellen Familienwerten abweichen. Doch mittlerweile gibt es auch hier Veränderung. Der Gedanke an den „white picket fence“, also den „Weißen Lattenzaun“ verschwimmt schon langsam. Die Familienstrukturen verändern sich, es gibt beispielsweise mehr Patchworkfamilien und weniger Kinder und Enkelkinder.

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Vorurteile für Alleinstehende sind etwa „sozial isoliert“ zu sein und oft verknüpft mit Bedürftigkeit und Unzufriedenheit. Auch wenn die Vorurteile nicht unbedingt zutreffend sein müssen, sie werden in Filmen, in der Werbung und im Sprachgebrauch aufgegriffen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Crazy Catlady aus der Serie „Die Simpsons“. Inwieweit sie sich in der Realität widerspiegeln, ist allerdings nicht so leicht zu beantworten. Das ist nämlich abhängig davon, welche Ereignisse zu welchen Zeitpunkten im Leben in welcher Reihenfolge passiert sind, so Bordone.
Frauen und die Teilzeit
„Lebensqualität ist eine Vielfalt von Aspekten; Wohlbefinden, Gesundheit, Zufriedenheit, aber auch sozioökonomische Situationen“, erklärt Bordone. In Österreich könne man beobachten, dass viele Frauen außerhalb des Arbeitsmarktes stehen oder nur teilweise erwerbstätig sind: 75% der Frauen zwischen 25 und 49, die Kinder unter 15 Jahren haben, arbeiten in Teilzeit, so Bordone. Das sei der höchste Anteil in Europa. Das bedeutet mehr Zeit mit dem eigenen Kind zu verbringen, aber eine niedrigere Pension zu haben. „Und eine stärkere Abhängigkeit an deren Partner zu haben im ganzen Lebensverlauf“, erklärt Bordone. Überhaupt im Falle einer Scheidung sei zu beobachten, dass die ökonomischen Folgen für Frauen mit kleinen Kindern deutlich negativer ausfallen als für Männer. Wenn geschiedene Frauen nicht oder in Teilzeit gearbeitet haben, sei das erneute Eingehen einer Partnerschaft eine von wenigen Möglichkeiten, auf einen höheren sozioökonomischen Status zu kommen. Bordone erläutert: „Das heißt, dass diese Abhängigkeit von männlichen Partnern ein Muster ist, das sich wiederholt in bestimmten Untergruppen der Bevölkerung.“ Obwohl das nicht die Lösung sein könne, würden Daten zeigen, dass es oft als solche genommen werde.
„Ich brauche keinen Partner beim Line-Dance.“
Hermine ist 68 Jahre alt und geschieden. Finanziell geht es ihr gut. „Ich habe als Frau von Jugend an schon immer gesagt, meine Pension, mein Geld verdiene ich selbst. Ich will von einem Mann nicht abhängig sein, das habe ich alles geschafft.“ Über zwölf Jahre lang war sie mit ihrem Partner zusammen. Sie ist Mitglied in einem der zahlreichen Pensionist*innenclubs der Häuser zum Leben, genau wie Linda. Linda musste sich lange um ihren kranken Vater kümmern. „Aber ich habe schon gewusst, dass ich dann nachher sofort in den Pensionistenclub gehe, weil ich mich so auf den Line-Dance gefreut habe“, sagt die 72-Jährige. Sie ist schon länger geschieden und kümmerte sich 17 Jahre lang um ihren kranken Vater. Für viele alleinstehende Frauen sei es keine Wahl, ob sie sich um jemanden kümmern oder nicht, sagt Bordone. Oft seien sie die einzigen Verantwortlichen. „Die Frauen übernehmen immer noch einen großen Anteil der Care-Arbeit innerhalb der Familie während des Lebensverlaufs. Also als Mütter und später als Großmütter, aber auch als Frauen.“ Das könne unter anderem daran liegen, dass die österreichische Gesellschaft noch immer sehr traditionell sei im Bereich Geschlechterrollen oder familiäre Verantwortung.
Die 68-jährige Marion kann diesen traditionellen Geschlechterrollen wenig abgewinnen. „Heirat, Kinder hat mich nie interessiert“, erzählt sie. Stattdessen befasst sie sich mit Metaphysik und alternativen Heilmethoden. Außerdem hat sie ihren Kater Seppl, der stattliche 17 Jahre alt ist. „Ich liebe Katzen, seit über 30 Jahren habe ich Katzen“, erzählt Marion. In ihrem Leben wurde sie schon mit dem ein oder anderen Vorurteil konfrontiert: „Die kriegt keinen ab“. Ihre Antwort darauf? „Na bei dem Angebot bin ich doch gern allein.“ Obwohl sie öfters in Gesellschaft von Witwen ist, ist ihr gesellschaftlich gesehen eine Abwertung aufgefallen. „Eine Frau ohne Mann, das klingt hart, ist gesellschaftlich nicht so gut anerkannt, als wenn sie mit Partnern auftritt.“
Mit dem Klischee der Catlady kann sie jedoch nichts anfangen. Ihre Interpretation davon? „Vielleicht eine, die sehr selbstständig ist, wenn ich das auf Katzen beziehe.“ Eine, die „sexy und selbstbewusst“ ist, die „weiß, was sie will“, so stellt sich Marion das vor. Als Marion über die tatsächliche Bedeutung aufgeklärt wird, muss sie herzlich lachen. Mit Einsamkeit, meint sie, hat das nichts zu tun. Eher mit Tierliebe.
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Titelbild: Von StockSnap auf pixabay