Sätze wie „Die Jugend von heute ist faul.“ oder „Früher war alles besser.“ kommen des Öfteren im Sprachgebrauch von älteren Generationen vor. Doch steckt wirklich etwas hinter diesen Aussagen?
Von: Sarah Willis
Millennials werden von einer Studie als selbstbestimmt, offen für Veränderungen und liberal beschrieben. Die Generation Z wirkt dagegen strukturierter: Karriere , mentale Gesundheit und finanzielle Sicherheit sind stärker in den Vordergrund gerückt. Doch ist die jüngere Generation tatsächlich konservativer – oder hat sich einfach ihre Realität verändert?

Junge Erwachsene setzen heute häufig andere Prioritäten als frühere Generationen
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Die Psychotherapeutin Christina Unsinn arbeitet täglich mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In ihrem Arbeitsalltag erlebt sie viele reflektierte Jugendliche: „Sie holen sich früher professionelle Hilfe als vorherige Generationen. Gleichzeitig ist die Verknüpfung von Selbstwert und Leistung noch immer sehr präsent“.
Zwischen Selbstoptimierung und Zukunftssorgen
Sie beobachtet, dass viele Jugendliche sich schon früh Gedanken darüber machen, wie ihr Leben später aussehen soll. Natürlich könnten soziale Medien dabei eine große Rolle spielen. Der ständige Vergleich mit anderen Personen schafft oft noch zusätzlichen Druck.
„Was sich aber meiner Meinung schon ins Positive verändert, sind die Ansprüche an bessere Arbeitsbedingungen. Führungspersonen zu hinterfragen und sich flexiblere Modelle zu wünschen, wird immer mehr umgesetzt“, fügt Unsinn hinzu.

Soziale Medien prägen den Alltag und das Selbstbild vieler Jugendlicher.
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Weniger Freiheit oder andere Prioritäten?
Gesundheitspsychologin Hilde Wolf sieht die Entwicklung ähnlich. Jugendliche heute würden unter anderen Bedingungen aufwachsen als Millennials. „Pandemie, Klimakrise oder wirtschaftliche Unsicherheit beeinflussen junge Menschen stark“, erklärt sie. Dadurch kann eine gewisse Stabilität wichtiger erscheinen als früher. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass junge Menschen konservativer seien.
Auch im Bereich Beziehung sieht man einige Veränderungen. Eine Studie der Sandiego State University deutet darauf hin, dass junge Menschen später Beziehungen eingehen oder weniger sexuelle Erfahrungen machen als frühere Generationen. Gleichzeitig wird bewusster mit Themen wie Grenzen, psychischer Gesundheit und persönlichem Wohlbefinden umgegangen.
Ist Gen Z wirklich konservativer?
Die Vorstellung, Millennials seien freiheitsliebend und Gen Z vorsichtig, greift wahrscheinlich zu kurz. Vielleicht geht es weniger um konservativer Werte – sondern vielmehr darum, dass Jugendliche auf eine unsichere Welt reagieren. Jede Generation wird von ihrer Zeit geprägt. Möglicherweise hätten die Millennials auch andere Prioritäten gesetzt, wenn sie unter denselben Bedingungen aufgewachsen wären.
Quellen:
Twenge, Jean (2016): Millennials less sexually active than previous generations
https://www.sciencedaily.com/releases/2016/08/160802125209.htm
Pew Research Center. (2010, 24. Februar). Millennials: Confident. Connected. Open to Change. https://www.pewresearch.org/social-trends/2010/02/24/millennials-confident-connected-open-to-change/
Ressort: Gesellschaft und Jugend
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