Admira Wacker: Zwischen Anspruch und Realität

Der Fußballclub Admira Wacker aus Maria Enzersdorf galt in dieser Zweitliga-Saison als Favorit auf den Aufstieg in die Bundesliga, scheiterte jedoch wie schon in der Vorsaison – eine Aufarbeitung.

von Florian Müllner

Admira gegen Ried: Der Aufstiegskampf der 2. Liga in der Saison 24/25 hatte es ordentlich in sich. Am Ende setzten sich die Rieder durch, da der Admira in den letzten Spielen die Luft ausging. Im letzten Sommer setzten die Südstädter in puncto Transfers alles auf eine Karte: Aufstieg ohne Wenn und Aber. Mit Alexander Schmidt, Turgay Gemicibasi, Aaron Sky Schwarz, Matteo Meisl, Aristot Tambwe-Kasengele und Marco Schabauer holte man namhafte Neuzugänge, um den Traum von der Bundesliga zu verwirklichen. „Du triffst immer Entscheidungen mit einer Überzeugung und auch mit einer Vision und Vorstellung, dass du erfolgreich bist. Der Umbruch im Sommer war notwendig,“ meint Sportdirektor Ralf Muhr.

Unentschieden als Knackpunkt

Der Output der Mannschaft schien sich jedoch über die gesamte Saison hinweg in Grenzen zu halten. Am Ende steht die Admira mit 48 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz, holte 12 Siege, 12 Remis und vier Niederlagen. Meister der 2. Liga wurde übrigens Austria Lustenau mit 54 Zählern, das Team von Markus Mader wäre in der Vorsaison sogar fast abgestiegen. „Ein Blick auf die Tabelle reicht, um zu sehen, woran Admira Wacker gescheitert ist: Mit so vielen Unentschieden kann man nicht Meister werden. Die im Sommer 2025 neu zusammengestellte Mannschaft hat es nie geschafft, eine Siegermentalität zu entwickeln,“ zieht Stephan Blumenschein, Kurier-Sportjournalist und Betreiber des Admira-Newsblogs „deradmiraner.at“, Bilanz.

Vor Saisonstart forderte Cheftrainer Thomas Silberberger Neuzugänge, die bereits in ihrer Karriere einen Aufstieg in die Bundesliga selbst miterlebt hatten. Letztendlich holte man mit Turgay Gemicibasi nur einen einzigen Spieler mit diesem Anforderungsprofil. „Der Mannschaft hat die Mentalität gefehlt, um kontinuierlich enge Partien auf die eigene Seite zu ziehen. Symptomatisch ist auch, dass in vielen Spielen immer wieder Vorsprünge leichtfertig verspielt worden sind, auch weil man zu oft zu passiv war. Es fehlen offenbar die Siegertypen,“ führt Blumenschein aus.

Auch wenn die Admira scheinbar die Qualität hat, in Führung zu gehen, fehlte zu oft die Konsequenz, diese auch über die Ziellinie zu bringen. In 18 der 28 Partien ging die Admira in Führung, doch lediglich zwölf Mal standen die Südstädter am Ende als Sieger fest. Am Ende waren es die Remis, die den Aufstieg kosteten. „So ist das im Sport. Man hat am Ende nie eine Garantie – da kann man am besten arbeiten und den besten Kader haben,“ verteidigt Muhr die Transferentscheidungen im Sommer.

Sportdirektor Ralf Muhr(l.) und Interimstrainer Harald Suchard konnten die Admira nicht zurück in die Bundesliga bringen Credits: Gerhard Möhsner
Sportdirektor Ralf Muhr(l.) und Interimstrainer Harald Suchard konnten die Admira nicht zurück in die Bundesliga bringen.
Credits: Gerhard Möhsner

Trainereffekt blieb aus

Nicht nur der Kader stand im Laufe der Saison immer wieder in der Kritik, auch die Besetzung der Trainerposition wurde heiß diskutiert. So durfte nach dem Verpassen des Aufstieges in der Vorsaison Thomas Silberberger weitermachen. Nachdem bereits in der Hinrunde leichtfertig Siege aus der Hand gegeben wurden und sich im Laufe der Rückrunde ein ähnlicher Negativtrend wie in der Vorsaison abzeichnete, wurde schließlich die Reißleine gezogen. Nach der 0:3-Heimniederlage gegen Rapid II am 20. März einigten sich die Admira und Silberberger auf ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit.

Harald Suchard trat die Nachfolge an und sollte der Trainer werden, der die Admira in den letzten Spielen noch zum Aufstieg führt. Doch unter dem Interimscoach wurde die Admira erst recht zum Remis-König. Die Bilanz: Zwei Siege, vier Remis und eine Niederlage – noch dazu traf man in den sieben Spielen nur vier Mal. Der Trainerwechsel sollte der Trumpf im Aufstiegsrennen sein, doch die Rechnung ging nicht auf. „Der Trainerwechsel war einfach notwendig, weil wir gemeinsam eine Veränderung herstellen mussten – da war die Überzeugung nicht mehr da. Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass der Wechsel nichts gebracht hat,“ war Ralf Muhr auch nach dem enttäuschenden 0:0 gegen die Vienna vom Trainerwechsel überzeugt.

Mit dem Aufstieg wurde es bekanntlich nichts mehr. Aktuell herrscht in der Südstadt wieder reger Betrieb: Die Vorbereitungen auf die neue Saison laufen auf Hochtouren. Admiras Präsident Christian Tschida sprach vor kurzem in einer offiziellen Aussendung von der „letzten Saison für die Admira in der 2. Liga“. Sportdirektor Muhr hingegen betonte in der Krone, dass „wir jetzt in unsere fünfte Zweitliga-Saison gehen. Das alles hinterließ auch große wirtschaftliche Spuren. Deswegen posaunen wir keine Ziele hinaus.“ Diese beiden Aussagen zeigen es ziemlich deutlich: Anspruch und Realität liegen bei der Admira oftmals weit auseinander.

Quellen:
https://admirawacker.at/admira-wacker-stellt-weichen-fur-die-kommende-saison/
https://www.krone.at/4143534
Spiele und Tabelle: https://www.fotmob.com/de/teams/10053/overview/admira-wacker

Credits Beitragsbild: Gerhard Möhsner