Gewaltprävention – wenn Männern Einhalt geboten wird

Was passiert, wenn es in Wien zu einem Gewaltverbrechen innerhalb einer Beziehung kommt? Wo gewalttätige Männer Hilfe bekommen und was mit Tätern passiert.

Von: Elsa Mayringer

Wenn es in Wien zu einem Vorfall von Gewalt in Beziehungen kommt und dieser gemeldet wird, ist der erste Schritt meist ein Betretungs- und Annäherungsverbot. Täter, meist männlich, und Opfer, meist weiblich, werden räumlich voneinander getrennt, ganz im Sinne der Deeskalation. Nach dem ausgesprochenen Annäherungsverbot muss sich der Täter binnen 14 Tagen bei einer Beratungsstelle für Gewaltprävention melden. Dort muss er dann sechs gesetzlich verpflichtete Stunden à 60 Minuten absolvieren. Aber reicht das aus? Bei Weitem nicht, sagt Romeo Bissuti, Leiter des MEN-Centers. 

Die vier Stufen der Gewaltprävention 

Das MEN-Center Wien ist ein Gesundheitszentrum für Männer und Jugendliche. Hier stehen Themen wie Männergesundheit, psychologische Beratung aber eben auch Gewaltprävention im Mittelpunkt. Romeo Bissuti erläutert die vier Stufen der Gewaltprävention und wie das MEN-Center mit männlichen Tätern aber auch mit Opfern arbeitet: Bei der primären Prävention geht es um die Bildung. Bissuti erklärt, dass diese stattfindet „bevor etwas passiert“ und zwar meist in Form von Workshops, beispielsweise an Schulen aber auch in anderen Institutionen und Firmen. Hier werden diverse Schwerpunkte bearbeitet, wie gewaltfreie Konfliktlösung, Gleichstellung der Geschlechter, aber auch Themen wie Männlichkeit und Emotionen.

Unter der sekundären Prävention versteht man das Eingreifen des Staates. Gemeint sind Annäherungsverbote und die sechs gesetzlich verpflichteten Einheiten, wenn es bereits zu einem Vorfall gekommen ist. Romeo Bissuti betont: „Täter müssen begreifen, dass Gewalt in Beziehungen keine private Angelegenheit ist und der Staat nicht wegschaut.“ Hier sei es wichtig, Hochrisikofälle frühzeitig zu erkennen. Die tertiäre Prävention findet im institutionalisierten Bereich statt, sprich den Gefängnissen, wenn es durch das Ausmaß an Gewalt zu einer Verhaftung und Verurteilung gekommen ist. Und bei der quartären Prävention geht es um die Bekämpfung von Nebenwirkungen der Gewaltprävention. Etwa Stereotype, wie die selektive Wahrnehmung, dass auch Männer Opfer sein können, meist durch die Gewalt anderer Männer, aber vereinzelt auch durch Frauen. 

Im Jahr 2025 wurden österreichweit 14.101 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen. (Bild: Tumusu auf Pixabay)

Wenn die Scham stoppt

Was führt dazu, dass Männer sich Hilfe holen? Viele verbinden damit Schwäche und Versagen, die meisten schämen sich. In den wenigsten Fällen holen sich potenzielle Täter eigenständig Hilfe. Bissuti ergänzt: „Meistens sorgt sowieso eine Frau dafür, dass sich ein Mann Unterstützung holt.“ 

Auch für diesen Artikel war es nicht möglich einen Mann zu finden, der über das Thema reden möchte. Einer der wenigen, der sich öffentlich zu dem Thema ausgesprochen hat, ist der Künstler und Aktivist Manfred Zeisberger. Er erklärt auf seiner Website, dass er durch eine schwierige Kindheit und psychischen Belastungen wie Burnout und Depressionen, toxische Verhaltensmuster entwickelte und diese nur mithilfe von Therapie überwinden konnte. Zeisberger organisierte am 7. März 2026 die erste Männerdemo in Solidarität für den 8. März (feministischer Kampftag/Weltfrauentag). Hier konnten Ehemänner, Freunde und Bekannte Haltung zeigen und gegen die dramatische Zahl der Femizide in Österreich protestieren.

Keine Privatsache

Organisationen wie das MEN-Center verlangen eine Veränderung im System. Sie zeigen auf, dass Gewalt die gesamte Gesellschaft betrifft und nicht als reine Angelegenheit zwischen den unmittelbar beteiligten Personen betrachtet werden darf. Staatliche Institutionen werden von Gewaltschutzorganisationen seit Jahren aufgefordert, patriarchale Gewalt konsequent zu erkennen und Betroffene wirksam zu unterstützen. Laut Bisutti sind für langfristige Veränderung vor allem Präventionsmaßnahmen notwendig: Das Aufbrechen von Stereotypen Gefühlsverarbeitung und auch Therapie sind notwendig, um nachhaltig Gewalt vorzubeugen und einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel zu fördern.

Falls du oder jemand den du kennst von Gewalt betroffen ist, kontaktiere eine dieser Anlaufstellen:

Neustart Beratungsstelle für Gewaltprävention Wien
Tel. +43 1 2183255 1016
beratungsstelle.wien@neustart.at

MEN Wiener Gesundheitsverbund –
Klinik Favoriten
Kundratstraße 3, 1100 Wien
Telefon: +43 1 60191 – 5454
E-Mail: kfn.men@gesundheitsverbund.at

für weiter Infos und Anlaufstellen: https://www.gewaltinfo.at

Quellen:
Titelbild: https://pixabay.com/images/download/geralt-despair-513528_1920.jpg auf pixabay.com
Bild 2: https://pixabay.com/images/download/tumisu-stop-4121138_1920.jpg auf pixabay.com

https://www.bundeskriminalamt.at/newsc044.html?id=53316e616f74425a5343633d

https://www.gegengewalt.at