Ob Laufshirt, Fahrradtrikot oder Outdoorjacke. Sportbekleidung soll funktional, leicht und inzwischen auch nachhaltig sein. Doch wie umweltfreundlich ist eine Branche wirklich, deren Produkte oft unter globalen Produktionsbedingungen entstehen und auf synthetischen Materialien basieren?
Von: Sebastian Kreuzer
Die Sportartikelindustrie ist Teil der globalen Textilbranche und die gehört zu den größten Umweltbelastungen weltweit. Laut der europäischen Umweltagentur hat die Textilindustrie im Jahr 2020 den dritthöchsten Druck auf die Wasser- und Landnutzung und die fünfthöchste Nutzung von Rohstoffen und Treibhausgasemissionen verursacht.
Nachhaltigkeitsberater Harald Reisinger unterstützt viele Unternehmen auf ihrem Weg in eine klimafreundliche Zukunft. Er meint: „Sehr viel vom CO2-Fußabdruck wird über eingekaufte Materialien verursacht.“ Ein Großteil der Emissionen entstehe dabei nicht im Transport, sondern bereits bei der Herstellung von Rohstoffen und Materialien.
Mehr Kontrolle – aber zu welchem Preis?
„Die Zulieferbetriebe kommen oft nicht aus Österreich“, sagt Reisinger. Ein zentrales Problem der Branche sei ihre globale Struktur. Viele Unternehmen produzieren nicht selbst, sondern lassen ihre Produkte in internationalen Zulieferbetrieben fertigen. Das erschwert die Kontrolle von Umwelt- und Sozialstandards erheblich. Wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist, hängt stark davon ab, wie transparent diese Lieferketten sind.
Einige Unternehmen versuchen, mehr Einfluss auf ihre Produktion zu behalten. Dazu gehört auch der österreichische Sportartikelhersteller Löffler, der Teile der Wertschöpfungskette selbst abdeckt und stärker in Europa produziert. Das kann helfen, Umwelt- und Sozialstandards besser zu kontrollieren, löst aber nicht alle Probleme der Branche. Denn dieser Ansatz ist deutlich teurer: Laut Unternehmensangaben liegen die Produktionskosten in Österreich bei rund 0,67 Euro pro Minute, während sie in Ländern wie Bangladesch bei etwa 0,08 Euro liegen.
Für ein einzelnes Produkt kann das einen Preisunterschied von mehreren Dutzend Euro bedeuten. Genau hier zeigt sich eines der zentralen Dilemmata der Branche. Nachhaltigere Produktion ist möglich, aber sie bleibt oft ein Nischenmodell, solange günstigere Alternativen dominieren.
Nachhaltigkeit hat Grenzen
Auch auf Materialebene zeigt sich, wie komplex das Thema ist. Recycelte Stoffe gelten als umweltfreundlicher, sind aber nicht automatisch die bessere Wahl. „Man muss genau hinschauen, ob sie auch langlebig genug sind“, heißt es aus dem Unternehmen Löffler.
Das deckt sich mit der Einschätzung von Experte Reisinger: Recycling sei in vielen Fällen sinnvoll, bringe aber technische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich. Hinzu kommt: Es gibt kein eindeutig „nachhaltiges“ Material. Baumwolle benötigt viel Wasser und Pestizide, synthetische Fasern basieren auf fossilen Rohstoffen. Gleichzeitig muss Sportbekleidung funktional sein – atmungsaktiv, elastisch und langlebig. Diese Anforderungen führen oft zu Materialmischungen, die schwer recycelbar sind.

Funktionskleidung besteht oft aus synthetischen Fasern und Materialmischungen (Credit: Engin Akyurt auf Unsplash)
Zwischen Anspruch und Realität
Viele Unternehmen versuchen, transparenter zu werden. Löffler setzt mittlerweile auf QR-Codes, mit denen Kund:innen die Lieferkette nachvollziehen können. Doch auch hier zeigt sich, Transparenz allein verändert den Markt nicht automatisch. Laut dem Unternehmen Löffler reicht das Interesse von sehr bewussten Käufer:innen bis hin zu Konsument:innen, für die Nachhaltigkeit beim Kauf kaum eine Rolle spielt.
Gleichzeitig wächst der Wettbewerb durch günstige Anbieter, die ihre Produkte ebenfalls als nachhaltig vermarkten, aber deren Produktion nicht transparent veröffentlichen. Für Konsument:innen wird es dadurch zunehmend schwieriger, echte Nachhaltigkeit von Marketingstrategien zu unterscheiden.
Fest steht: Die Sportartikelindustrie steht vor grundlegenden Veränderungen. „Business as usual ist keine Option“, sagt Reisinger. Nachhaltigkeit ist möglich, aber sie bleibt ein Balanceakt zwischen Umwelt, Funktionalität und Preis.
Quellen:
https://www.eea.europa.eu/en/topics/in-depth/textiles
https://www.klimaschutzstiftung-bw.de/de/glossar/emissionen
Credit Titelbild: Bern Dittrich auf Unsplash