Zyklus, Schweiß und Schweigen

Mindestens 25 Stunden pro Woche trainiert man im Leistungssport. Bei weiblichen Leistungssportlerinnen kommt noch ein Zyklus hinzu, der nicht nur die Gefühlslage, sondern auch Leistungsfähigkeit und Regeneration beeinflusst.

Von: Stella Strof

Als die italienische Biathletin Dorothea Wierer nach der Olympia über ihre Periode sagt, sie habe dadurch nicht ihre volle Leistung erbringen können, wird ihr genau das auf Social Media vorgeworfen. „Ausrede“, „Jammern“, so bezeichnen die User:innen ihre Ehrlichkeit. Dass die unterschiedliche Zyklusphasen einen Einfluss auf die Belastbarkeit haben, wird nicht beachtet.

Der weibliche Zyklus beginnt am ersten Tag der Regelblutung und endet am letzten vor der nächsten. Dieser dauert ungefähr 28 Tage, mit individuellen Abweichung. Fachleute unterteilen den Zyklus in weitere Zyklusphasen, basierend auf den Vorgängen in den Eierstöcken und der Gebärmutterschleimhaut. Die Unterschiede in der Hormonlage und die Körperlichen Auswirkungen sorgen für eine differenzierte Leistungsfähigkeit. Diese kann genutzt oder ignoriert werden.

Diesen Zyklus zum Vorteil nutzen

Aus diesem Grund wird das Thema Zyklusbasiertes Training in der Sportwissenschaft immer größer. Gezielt die Phasen nutzen in der mehr Energie da ist und sich mehr Zeit für die Regeneration nehmen, wenn der Körper sie braucht.

Während der Menstruationsphase ist der Östrogenspiegel niedrig und sie kann mit Schmerzen verbunden sein. Die Trainingsintensität wird heruntergefahren und auf lockeres Ausdauertraining oder sanfte Sportarten, zum Beispiel Yoga, gesetzt. In der Follikelphase steigt der Östrogenspiegel und damit auch die Energie. Ein guter Zeitpunkt für eine hohe Trainingsintensität, zum Beispiel Kraft- oder Intervalltraining. In der Ovulation erreicht das Östrogen seinen Höhepunkt und der weibliche Körper bekommt noch einmal richtig viel Kraft. Hier sind HIIT passend. In der Lutealphase dominiert Progesteron und es gibt einen Östrogenabfall, es kommt zu erhöhter Müdigkeit und Körpertemperatur. Empfohlen ist eine moderate Belastung, Ausdauertraining und auch Zeit zur Regeneration.

Bild: MICKEY MaD auf Pixabay
Die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron können die Leistungsfähigkeit beim Sport beeinflussen (Bild: MICKEY MaD auf Pixabay)

Gilt das auch für Leistungssportlerinnen?

Für Menschen die ungefähr 2-3 Mal die Woche Sport machen, gut zu wissen und vielleicht sogar eine Erleichterung oder Erklärung dafür, wie es ihnen bei den Einheiten geht. Für Athletinnen im Leistungssport in der Praxis eher uninteressant.

 „Ich muss in jeder Phase Leistungsfähig sein. Ich kann die Wettkämpfe nicht nach meinen Zyklus aussuchen.“ – Carina Reicht, Triathletin

Wettkämpfe sind zu bestimmten Zeiten festgelegt und das Training richtet sich danach. Der Trainingsplan kann für die Periode nicht einfach umgeschrieben oder eine Einheit ausgelassen werden, wenn es gerade nicht zur Zyklusphase passt.

Für die Sportwissenschaftlerin Dr. Astrid Mathy bedeutet zyklusbasiertes Training eben genau das nicht. „Man nimmt ja kein Training weg, man verschiebt es nur im Zyklus“, erklärt sie. Gleichzeitig sieht sie das die Umsetzung im Leistungssport schwierig ist. Im Teamsport könne man Trainings nicht einfach an einzelne Zyklusphasen anpassen. Außerdem reagieren Frauen sehr unterschiedlich auf die hormonellen Veränderungen während der Periode.

„Es gibt Frauen, die haben keine Probleme mit dem Zyklus, die haben halt mal 3 Tage Blutung und sonst nichts. Also da, brauche ich nichts auf den Zyklus abstimmmen.“ – Dr. Astrid Mathy

Dorothea und Carina müssen liefern, egal an welchem Tag in ihren Zyklen der Startschuss fällt. Das wird sich nicht so schnell ändern. Was sich ändern könnte: Dass sie nicht dafür kritisiert werden, über ihren eigenen Körper aufzuklären. Die Sportwissenschaft hat das schon erkannt, die Frage ist, wie lange es in der immer noch männerdominierten Sportberichterstattung noch braucht.

Quellen:

Titelbild: Bild von Gesina auf Pixabay

Artikel „Frauen im Sport: Übersehen, Unterschätzt, Unterforscht“ in The:Sorority

https://science.orf.at/stories/3234326

https://www.gesundheit.gv.at/leben/frauengesundheit/weiblicher-zyklus.html#welche-zyklus-phasen-gibt-es

https://www.swr.de/sport/frauen-im-sport/swr-umfrage-benachteiligung-spitzensportlerinnen-wissenschaft-100.html

https://www.quarks.de/gesundheit/training-frauen-vs-maenner-leistungssport

https://www.donauversicherung.at/privatkunden/gesundheit/story-der-menstruationszyklus-und-sport?loopcd=SEg|c|x|||&gad_source=1&gad_campaignid=22515495299&gbraid=0AAAAACgxbBdWLRQTVHoEm9Pu-kB3mfxZ7&gclid=Cj0KCQjwlLDQBhDjARIsAPlIefFT3kgUoVFDmdbpGB2WhopLZ_kE8I2vQVCrktU-dUQCICkNM15cm4gaAn9QEALw_wcB

https://www.diepresse.com/19817356/wie-der-weibliche-zyklus-das-verletzungsrisiko-beim-sport-beeinflusst

Matter Brügger, S. & Neuenschwander, M. (2020). Zyklus und Leistungssport. SEMS-journal – Sports & exercise medicine Switzerland.