Steigende Lebenskosten, fehlende Beihilfen, kaum Freizeit: Immer mehr Studierende in Österreich müssen arbeiten, um sich ihr Studium überhaupt leisten zu können.
Von Valentina Perner
Viele verbinden das Studium mit langem Ausschlafen, vielen Partys und wenig Verantwortung. Für viele Studierende in Österreich sieht die Realität anders aus. Sie jonglieren Vorlesungen und Prüfungen mit einem Nebenjob, aus finanzieller Notwendigkeit. Wer nicht auf ein Rückfallnetz daheim zurückgreifen kann, fällt oft in einen Teufelskreis: Schafft man das Studium aufgrund einer Nebentätigkeit nicht in der Regelstudienzeit, werden zusätzliche Kosten fällig. Das Studium und der echte Start ins Arbeitsleben verzögern sich immer weiter.
Ronja, 24 Jahre alt, kennt diesen Druck gut. Sie ist Masterstudierende an einer FH und arbeitet nebenbei 25 Stunden die Woche im Projektmanagement. Sie hat meist keinen freien Tag. Der Sonntag ist zwar frei von FH und Arbeit, aber an dem Tag bereitet sie sich auf Prüfungen und Gruppenarbeiten vor oder schreibt an ihrer Masterarbeit.

Bis zum Burnout
Auf die Studienbeihilfe hat Ronja keinen Anspruch. Das Einkommen ihres Vaters gilt als zu hoch. Ihre Eltern können sie trotzdem nicht ausreichend finanziell unterstützen: Es gibt noch Kredite abzubezahlen und Ronjas drei jüngere Geschwister müssen versorgt werden. Ronja findet es schade, dass sie aufgrund ihrer Berufstätigkeit nicht mehr Zeit in ihr Studium investieren kann. Aber nicht arbeiten geht auch nicht.
Das wurde ihr während einem unbezahlten Pflichtpraktikum besonders bewusst. Auf einmal konnte sie die Miete nicht mehr stemmen. Ihr Vater konnte ihr damals kurzfristig aushelfen. Während dem Schreiben ihrer Bachelorarbeit hatte sie ein Burnout aufgrund der Mehrfachbelastung.
„Das war der ärgste Tiefpunkt in meinem Leben. Ich bin wochenlang nur gelegen und hatte keine Lebenslust mehr verspürt.“
Die Problemgruppe
Wie es Österreichs Studierenden finanziell zurzeit geht, zeigt die aktuelle Studierenden-Sozialerhebung. Für die Studie wurden rund 36.000 Studierende zu ihrer sozialen Lage befragt. Von allen erwerbstätigen Studis sagen 71%, dass sie sich ohne ihre Erwerbstätigkeit das Studium nicht leisten könnten. Martin Unger vom Institut für Höhere Studien hat an dieser Erhebung gearbeitet. Laut Unger würden bis zu 10 Stunden Arbeit in der Woche ein Studium nicht beeinträchtigen.
Bei den Bildungsinländer*innen ist es ein Viertel, das behauptet, sie seien erwerbstätige Menschen, die „nur“ nebenbei studieren. Das sind oft Personen, die bereits erwerbstätig waren und sich dann noch für ein Studium entscheiden. Da hat der Job Priorität. Laut Unger sei die Problemgruppe die, die mehr als 10 Stunden in der Woche arbeiten, aber von sich behaupten, dass sie in erster Linie Studierende sind. Das sei weniger als ein Viertel. Was dieser Problemgruppe nach Unger am meisten helfen würde, wäre Planbarkeit. „An Unis weiß ich oft bis zur letzten Septemberwoche nicht, wie mein Stundenplan in der nächsten Woche aussehen wird. Das macht die Vereinbarkeit mit dem Job schwierig.“
Keine klassischen Studentenjobs
Neben den potenziellen Belastungen bietet eine Berufstätigkeit vor allem Chancen. Viele Studierende suchen aktiv nach einem Job, der inhaltlich zu ihrem Studium passt, um früh Berufserfahrungen zu sammeln. „Nur eine Minderheit geht klassischen Studijobs nach, wie Kellnern“, sagt Unger. Einerseits sei diese Tätigkeit zwar erfüllender für Studierende, aber gleichzeitig sind diese Jobs meist anspruchsvoller und zeitintensiver. Auch Ronja arbeitet schon in der Branche, in der sie auch bleiben will. Ihre Begeisterung für Projektmanagement hat ihr auch in der Planung ihres Studiums geholfen: „Ich habe mir alles fix eingeplant und mein Studium wie ein Projekt aufgezogen.“
Das Klischee vom sorglosen Studentenleben stimmt für viele nicht. Was diese Studierenden wollen, ist nicht weniger Verantwortung, sondern mehr Sicherheit. Und die Gewissheit, dass sie sich ihr Studium leisten können, ohne dabei auf der Strecke zu bleiben.
Wer unter der Belastung zusammenbricht, muss das nicht alleine durchstehen: Die ÖH bietet psychologische Beratung für Studierende an.
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