Der Eiweiß-Hype im Supermarkt: Ist „HIGH PROTEIN“ wirklich so gesund oder nur ein Marketing-Trick?

Proteinriegel, Proteinjoghurt, Proteintoast – das Angebot an mit Eiweiß angereicherten Produkten explodiert. Aber sind diese Produkte ihren hohen Preis wert?

Von Niklas Holzer

Ob Joghurt, Brot oder bei den Snacks: In nahezu jeder Abteilung  des Supermarktes springt einem „HIGH PROTEIN“ entgegen – oft in fetten Lettern, mit einer Zahl daneben, die zum Kauf animieren soll. Die bunten Verpackungen sind nicht zu übersehen. Für Fitness-Einsteiger Fabio Hießl ist das neues Terrain. Der Student hat vor Kurzem mit dem Krafttraining begonnen und bemerkt, wie sich sein Einkaufsverhalten radikal verändert hat. Um die besten Ergebnisse zu erzielen greift der 21 jährige immer häufiger zu Protein-Produkten.

Seit er angefangen hat zu trainieren, sei er bei der Auswahl seiner Lebensmittel achtsamer geworden, erzählt Hießl:

„Ich habe angefangen mehr auf Nährwerte zu achten und dann auch gemerkt, dass ich oft mehr gekauft habe als vorher.“

Lag sein Budget früher bei 60 bis 80 Euro pro Woche, haben die Protein-Produkte seinen Wocheneinkauf deutlich teurer gemacht.

Protein ist nicht gleich Protein

Das Phänomen ist nicht neu, aber nie war es so omnipräsent wie heute. Der globale Markt für Proteinprodukte überschritt 2025 die Marke von 88,6 Milliarden US-Dollar und wird laut einer Studie bis 2036 auf geschätzte 123,9 Milliarden Dollar anwachsen. (Quelle: Future Market Insights, Protein Ingredients Market, 2025).

Doch Protein ist nicht gleich Protein. Die Qualität von Protein hängt von der sogenannten biologischen Wertigkeit ab – also davon, wie effizient der Körper das Eiweiß in körpereigenes Protein umwandeln kann.

Hühnereier im Eierkarton
Hühnereier gelten als einer der besten und beliebtesten Proteinquellen Bild: Pixabay

Das Hühnerei gilt mit einem Wert von 100 als Referenz – das bedeutet: Der Körper kann das darin enthaltene Protein nahezu vollständig in körpereigenes Eiweiß umwandeln. Molkenprotein (Whey) liegt sogar bei 104, während pflanzliche Quellen wie Linsen oder Erbsen nur bei etwa 60 landen.

Revolution im Kühlregal oder teurer Schwindel?

Doch wie können Konsument*innen zwischen sinnvollen Ergänzungen und überteuerten und überflüssigen Nischenprodukten unterscheiden? Fertigproteindrinks können tatsächlich einen erheblichen Teil des Tagesbedarfs decken. Es gibt aber auch Proteinriegel, die nur 10 Gramm Eiweiß enthalten aber mehrere Euro kosten. Hießl hat schnell gelernt, kritisch zu hinterfragen:

„Es gibt viele Produkte, die dann eher als Marketing-Gimmick sind und die halt eher auf den Profit aus sind.“

Für ihn persönlich gehört die Auseinandersetzung mit Nährwerten längst zum Alltag: „Nährwerttabellen spielen definitiv mittlerweile eine größere Rolle bei meinen Kaufentscheidungen.“ Er vergleicht Kalorien- und Proteingehalt und kauft jetzt beispielsweise Proteintoast statt klassischem Toastbrot. Die Kosten verliert der 21-jährige Student dabei dennoch nicht aus den Augen. Wenn High-Protein-Joghurt zu teuer wird, greift er zu Alternativen wie Skyr oder Topfen – die oft sogar mehr Eiweiß liefern, aber deutlich preiswerter sind.

Wenn morgen alle Proteinprodukte verschwinden würden

Die Frage nach der wirklichen Notwendigkeit bleibt. Was, wenn die Protein-Produkte plötzlich aus den Regale verschwinden? Für Hießl wäre der Verlust überschaubar:„Das Eiweißpulver würde mir fehlen, aber ich glaube die restlichen Produkte, diese typischen High-Protein-Produkte, würden mir jetzt gar nicht unbedingt fehlen.“

Denn am Ende des Tages lässt sich der Proteinbedarf auch ohne den „HIGH PROTEIN“-Schriftzug decken. Thunfisch, Linsen, Hülsenfrüchte, Skyr, Topfen, Eier – die Liste natürlicher Quellen mit hoher biologischer Wertigkeit ist lang.

Der Protein-Hype im Supermarkt ist also keineswegs ein Muss, sondern eine Ergänzung. Wer die Augen offenhält, die Nährwerttabellen liest und versteht, dass nicht jedes „HIGH PROTEIN“ automatisch hochwertig bedeutet, kommt auch ohne teure Spezialprodukte ans Ziel.