Gesundheitliche Gefahren beim Kampfsport: Wenn der größte Gegner das Gewicht ist 

Vor einem Wettkampf ist es im Kampfsport üblich, das Gewicht drastisch zu reduzieren, um in einer leichteren Gewichtsklasse kämpfen zu können – doch diese Praxis birgt gesundheitliche Gefahren, wie ein ehemaliger Amateursportler erzählt.

Markus, ein ehemaliger Mixed-Material-Art (MMA)-Kämpfer im Amateurbereich, ist vor seinem letzten geplanten Kampf 1,73 Meter groß und wiegt 68 Kilo. Vier Wochen vor dem Kampf will ein Trainer, dass er sechs kg abnimmt, damit er in der unter 62-Kilo-Kategorie kämpfen kann. Ein derartiger Gewichtsverlust vor einem Wettbewerb ist im Kampfsport durchaus üblich – man nennt das „Weightcutting“, der deutsche Fachbegriff lautet „Gewichtmachen“. Dabei wird versucht, ein Monat vor dem Kampfmithilfe eines strikten Ernährungsplans und exzessivem Schwitzen abzunehmen, . Markus stimmt zu. Aber in der letzten Woche spielt der Körper des oberösterreichischen Kämpfers plötzlich nicht mehr mit.

In der letzten Woche seines Weightcuts soll er seine letzten drei Kilo verlieren, ein Großteil davon durch Schwitzen. „Mein Trainer hat mich und andere Kämpfer des Vereins täglich in die Sauna geschickt, damit wir so viel schwitzen wie möglich. Manche hatten sogar Kleidung an,damit sie noch mehr schwitzen,“ erinnert sich Markus. 

Schwitzen bis zur Ohnmacht: „Ich wollte es so damals“ 

Zwei Tage vor dem Kampf wiegt er nur noch 64 Kilo. Er muss ein Tag vor dem Kampf noch sieben Stunden mit dem Bus zum Kampfort fahren. Er versucht an diesem letzten Tag so viel auszuschwitzen wie nur möglich und fällt dadurch, nach seiner Ankunft, in Ohnmacht. Dabei ist ihm nichts schlimmeres passiert, aber er musste sein Weightcut abbrechen und in einer höheren Gewichtsklasse kämpfen.

Er findet das Drängen seines Trainers nicht problematisch. „Es ist halt einfach so. Entweder bist du voll dabei, bist bereit alles zu machen oder du machst es nur zum Spaß. Mein Coach trägt für das, was passiert ist, keine Schuld., ich wollte es so damals.“

Laut viele Studien ist Weightcutting ungesund. Durch den Wasserverlust steigt das Risiko für kardiovaskuläre Probleme. Außerdem leidet auch das Gehirn. Die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis verschlechtern sich, es kann zu Depressionen und Stimmungsschwankungen kommen.

Der US-Kämpfer Cameron Smotherman fliegt nach seiner Wiege in Ohnmacht.

Können mehr Gewichtsklassen Teil der Lösung sein?

Dagegen anzutreten ist aber schwierig. Da MMA nicht von einem Weltverband reguliert wird, können sich die Reglungen der verschiedenen Kampforganisation und-behörde unterscheiden. Die größte Organisation, die UFC, sieht Weightcutting als ein Problem, das das angeblich nicht lösbar ist oder man zumindest nicht lösen will.. In den Leistungszentren der UFC stehen den Kämpfern medizinisches Personal zur Verfügung, das sie beim Gewichtsverlust begleiten und unterstützen soll. Mehr Gewichtsklassen einzuführen, um gegen Weightcutting anzutreten, hat Dana White, CEO der UFC, mehrmals abgelehnt.

Für Markus war dieser Weightcut ausschlaggebend. „Für mich ist es klar, dass ich nie wieder kämpfen werde. Wenn du kämpfen willst, musst du ein Weightcut machen, weil sonst hast du keine Chance gegen größere und schwerere Kämpfer in deiner ‚natürlichen‘ Gewichtsklasse.“ Solange die größten Organisationen der Welt nichts dagegen machen, wird der Amateurbereich weiterhin darunter leiden und Kämpfer wie Markus aus dem Sport drängen.

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